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Ausstellung "Abenteuer Informatik"

Die Wanderausstellung der Hopp Foundation ist nun geschlossen und "wandert" weiter.

Ein herzliches Dankeschön an alle Schüler- Experten, die für einen reibungslosen und informativen Ablauf der Führungen gesorgt haben. 

 

 


   

Schulbuchlisten 2019/2020

Die endgültigen Schulbuchlisten für das kommende Schuljahr befinden sich im Bereich "Service - Dateien - Schulbücher - Schulbuchlisten".

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Eduard Spranger

Eduard Spranger (1882-1963) – Wer war der Namensgeber unserer Schule?

Seit 1964, also gut ein halbes Jahrhundert, trägt unsere Schule den Namen Eduard Sprangers. Damals war man in Landau stolz darauf, dass das Altsprachliche Gymnasium als erste Schule überhaupt den Namen des im Vorjahr verstorbenen Pädagogen und Philosophen annahm.


Sprangers Rang als Wissenschaftler ist auch heute noch unbestritten. Er gilt nach wie vor als einer der bedeutendsten deutschen Geisteswissenschaftler seiner Epoche, der in den Überschneidungsbereichen von Philosophie, Pädagogik und Psychologie, von Kultur und Erziehung Herausragendes geleistet hat, insbesondere mit seinen Hauptwerken „Lebensformen“ (1921) und „Psychologie des Jugendalters“ (1924), die weit über Deutschland hinaus Beachtung fanden und bis in die Gegenwart wirken.
Kritisiert wird dagegen Sprangers politisch-weltanschauliche Ausrichtung, vor allem seine Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus. Tatsächlich hat er selbst nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges bekannt, erst spät zum überzeugten Demokraten geworden zu sein. Der Lebensweg des 1882 Geborenen führte vom Kaiserreich über den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die nationalsozialistische Diktatur, den Zweiten Weltkrieg und die Besatzungsjahre bis in die frühe Bundesrepublik. Er hat also alle Brüche und Systemwechsel in der deutschen Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bewusst miterlebt. Den Zusammenbruch des Kaiserreiches am Ende des Ersten Weltkrieges empfand der durch und durch deutschnational und monarchisch gesinnte Spranger als große Katastrophe; zur parlamentarisch-demokratischen Weimarer Republik blieb er, wie wohl die Mehrzahl der konservativen deutschen Professoren, immer auf Distanz.
Dem aufkommenden Nationalsozialismus stand er in den frühen dreißiger Jahren ambivalent gegenüber. Mit einer Mischung aus Faszination und Ablehnung betrachtete er die neue „Bewegung“; die Radikalität der Nazis schreckte den Intellektuellen ab, ihre unzweifelhaft „nationale“ Gesinnung musste er jedoch anerkennen. Selbst nicht frei von antisemitischen Vorurteilen, missbilligte Spranger schon früh die letztlich auf die physische Vernichtung der Juden abzielenden Forderungen der Nationalsozialisten. Später, während der Kriegsjahre, hat er im persönlichen Umfeld von der Deportation bedrohten Juden aktiv zu helfen versucht.
Der berühmte Professor ließ es zu, dass das nationalsozialistischen Regime ihn zum „Aushängeschild“ machte; so übernahm er 1936/37 die Leitung des deutsch-japanischen Kulturinstitutes in Tokio. Er trat aber nie der NSDAP bei und grenzte sich zunehmend deutlicher vom NS-Regime ab. Dies bezeugen seine Beiträge in dem gelehrten Kreis der „Mittwochsgesellschaft“, der Spranger von 1934 bis 1944 angehörte und die auch führende Vertreter des Widerstandes zu ihren Mitgliedern zählte. Der wegen seiner Zugehörigkeit zu diesem elitären Zirkel verdächtige Konservative wurde nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 von der Gestapo verhaftet und kam erst nach zehn Wochen auf Intervention des japanischen Botschafters wieder frei.
Nach dem Krieg amtierte Spranger kurzzeitig als Rektor der Berliner Universität; 1946 nahm er einen Ruf nach Tübingen an, wo er bis 1952 als Ordinarius wirkte. Am 12. September 1951 hielt Spranger auf Anregung des Bundespräsidenten Theodor Heuss im Bundestag die Festrede zum zweiten Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik Deutschland.
Eine Bilanz zu ziehen fällt schwer, zumal natürlich jeder aufgefordert ist, seine eigene Meinung zu Spranger zu bilden. Eines aber sei abschließend festgehalten: Der bei ihm wie bei vielen seiner Zeitgenossen immer wieder anklingende „vaterländische“ Grundton mag für unsere Ohren befremdlich klingen; zum Nationalsozialisten macht ihn das aber trotz mancher Berührungspunkte noch nicht. Es bleibt eine Herausforderung, historische Persönlichkeiten einerseits an überzeitlich gültigen Maßstäben zu messen, andererseits aber aus ihrer Zeit heraus zu verstehen.

Text :
Dr. Harald Bruckert im Mai 2018 im Namen der Schulleitung
des Eduard-Spranger-Gymnasiums Landau

   
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