Theater-AG des ESG beim Landesschultheatertreffen (LSTT)

Wir, die Theater-Ag des ESG,  sind mit unserem Stück „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann ausgewählt worden an dem Theaterfestival LSTT teilzunehmen. Ab dem 18.7.22 sind wir für drei Tage in Speyer, führen dort unser Stück auf, sehen die Stücke der anderen Theatergruppen aus Rheinland-Pfalz und nehmen an Theater-Workshops teil.

 

Die Entscheidung, die Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann zu inszenieren, kam unserer Spielgruppe während der Coronazeit, weil diese Erzählung Themen behandelt, welche uns zu dieser Zeit beschäftigten:

Wie entstehen Traumata? Was hilft gegen Depressionen? Wie kann man Freunden helfen, denen es nicht gut geht?

Wir wählten das Stück, weil wir alle nach der Pandemie entweder selbst oder bei Freunden mit seelischem Leid konfrontiert waren.

Katrin Gehr spielt unsere Hauptrolle und so wird Nathanael zu Nathanaelle. Katrin Gehr begleitet die Zuschauer singend durch das Stück, meistert eine unglaubliche Textfülle, wechselt gekonnt zwischen den spätromantischen Texten und saloppen Impro-Elementen und nimmt so den Zuschauer mit in die tiefen Gefühlswelten von Nathanaelle.

Nathanaelle führt eine gleichgeschlechtliche Beziehung. Ihre treue Partnerin Clara spielt Clara Frech. Sie zeigt Claras Liebe und ihre Verzweiflung über die Panikattacken ihrer Partnerin so glaubhaft, dass sie uns Clara sympathischer macht.

Ein Blick in Nathanaelles Kindheit mit ihrem strengen Vater (Maya Nitschke), der alchemistische Experimente mit dem angsteinflößenden Coppelius (Mark Bauer) unternimmt und ihrer Mutter (Dana Zircher), die ihr Horrormärchen vom augenklauenden Sandmann erzählt, macht verständlich, warum Nathanaelle unter einem Kindheitstrauma leidet.

 

Bei unseren Überlegungen zur Art der Inszenierung kam uns die Idee, dass wir einen Erzähler brauchen, der das Publikum durch das Stück begleitet. Wir erfanden die Figur einer Psychiaterin, die diese Rolle übernimmt. Thyra Schwebius spielt die Psychaterin mit viel Empathie und glänzte mit treffendem Fachvokabular und ernsten Gesichtsausdrücken bei mitreißenden Gesangseinlagen der Hauptdarstellerin.

Sabine Tretter als Coppola wirkt der Psychaterin entgegen und bringt Nathanaelle durch den Kauf eines Fernrohres dazu, sich in die wunderschöne, aber etwas ungewöhnliche Olimpia zu verlieben. Olimpia wird bravourös gespielt von Madeleine Cravo, die das Publikum mit ihrer Choreografie und einem selbstgeschriebenen Lied begeistert. Ihr Vater (Gabriel Dreißigacker) streitet sich später mit dem düsteren Coppelius um seine Tochter und bei diesem Streit wird es nun auch Nathanaelle klar, dass es sich bei der schönen Olimpia nicht um einen Menschen handelt. Diese Erkenntnis bedingt einen Zusammenbruch, bei dem ihr Clara und ihr Freund Siegmund (Max Edelmann) helfen.

 

Es war uns wichtig, Nathanaelles Innenleben choreographisch darzustellen. Für die choreographischen Elemente beantragten wir einen zweitägigen Workshop beim LVTS (Landesverband für Theater an Schulen) An diesen zwei Tagen machten wir mit Esther Schwarz Körpertraining zur Erweiterung der physischen Ausdrucksmöglichkeiten. Nach dem Workshop war der nächste Arbeitsschritt die Fertigstellung einer endgültigen Textfassung. Für die Intensiv-Probephase kurz vor den Aufführungen brauchten wir dann mehrere Wochenendproben.

 Moritz Winter unterstützt die gruseligen Effekte des Stückes gekonnt mit seiner Lichtkonzeption.

Die Premiere am 5. April und die Aufführungen an den zwei Folgetagen im Atrium des ESG

waren volle Erfolge. Zurecht viel Applaus gab es für das kurzweilig-zündende Stück.

 

Diese Reise hat uns gelehrt, aufmerksamer durchs Leben zu gehen und immer darauf zu achten, dass jeder Mensch, der vor uns steht, sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Jeder kämpft seine eigenen Kämpfe und von außen sind diese nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern teilweise gar nicht sichtbar.