Kandidatenforum zur Oberbürgermeisterwahl im ESG

Schülerinnen und Schüler der Oberstufe haben mit den Kandidaten Dr. Dominik Geißler (CDU), Lukas Hartmann (Bündnis90/DieGrünen) und Dr. Maximilian Ingenthron (SPD) zwei Schulstunden im Atrium des ESG diskutiert und sich einen persönlichen Eindruck von den Bewerbern machen können. 

Kurse des Max-Slevogt-Gymnasiums und der Maria-Ward-Schule sind der Einladung an das ESG gefolgt, wo der Fachbereich Sozialkunde das Forum zur Vorbereitung der Oberbürgermeisterwahl (3. Juli 2022) initiiert hatte.

Die kurze Vorstellung des Wahlsystems, der bisherigen Oberbürgermeister und der drei Bewerber durch Schülerinnen und Schüler eröffnete diesen Politikunterricht der besonderen Art.

Aus den vielen Fragen kann hier nur eine Auswahl berichtet werden. Aus den beteiligten Kursen waren die Themen Klima, Wohnungsmarkt, Innenstadt und Bildung den drei Kandidaten vorgegeben worden und bestimmten die erste Runde auf dem Podium. Neben zahlreichen Gemeinsamkeiten wurden auch harte Gegensätze deutlich. Während Tempo 30 und autoarme Innenstädte kaum Kontroversen auslöste und es eher um Details ging, erreichte die Debatte um mehr Wohnraum in Landau schnell grundsätzliche Verfassungsfragen nach dem Recht auf Eigentum und „eventuellen Enteignungen“ leerstehender Wohnungen in Landau. Während Hartmann hier vor allem die Stadt als künftige Bauherrin sieht, können für Geißler viele Wege aus neuen Modellen mit Genossenschaften, Investoren und Bauförderungen zu mehr bezahlbarem Wohnraum führen. Ingenthron sprach sich hier für eine städtische Wohnungsbaugesellschaft aus.

Sehr klare Unterschiede brachte zur Überraschung vieler im Publikum das Thema IT-Assistenz an Schulen. Während Ingenthron und Geißler unbedingt nach Wegen suchen wollen, hier den Schulgemeinschaften technische Hilfe VOR ORT zu ermöglichen, ist für Hartmann die Notlage der Schulen bei technischen Störungen nur eine unter vielen Mangelsituationen der Verwaltung, weshalb er hier keine besonders hohe Priorität für neues Personal sieht.

Regelrecht emotional wurde die Debatte beim Thema Saatkrähen, wozu auch später aus dem Publikum noch Beiträge kamen. Hier war zum ersten Mal etwas „verkehrte Welt“ zu sehen: der junge grüne Hartmann erklärte Proteste für nutzlos und der ältere schwarze Geißler warb für den demokratischen Kampf gegen die Krähenplage. Während Hartmann jede weitere Maßnahme gegen die Vögel kategorisch ablehnt, warb Geißler leidenschaftlich für Bürgerproteste und politischen Druck auf Landes- und Bundesebene, um auf EU–Ebene eine Gesetzesänderung zu erreichen und dann gegen die Krähen etwas unternehmen zu können. Ingenthron sieht durchaus Handlungsbedarf bei der Stadt, um die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen.

Wahlkampftaktik oder Überzeugung?! Diese Frage nach den Parteirichtungen stellte sich auch beim Thema Party-machen in Landau, wo Hartmann auf die harte Linie seines Ordnungsamtes setzt, während sich Geißler sehr großzügig gibt und zu mehr Toleranz der Behörden bei spontanen Raves im Stadtgebiet aufruft. Ingenthron bringt hingegen die Möglichkeit ins Spiel, dass die Stadt beim Schaffen einer Tanz- und Partylocation tätig werden könnte.

Nach dem Bericht zu diesen Kontroversen muss festgestellt werden, dass sich diese fast alle zwischen Hartmann und Geißler entzünden und Ingenthron sehr häufig eine ruhige und abwägende Position einnimmt.

Cay-Lando Kniplitsch und Yannik Weiß aus dem SK LK 12 führten als Moderatoren souverän durch die spannende Doppelstunde.

Die pointierte Zusammenfassung wurde von Alexander Kaiser, 2022er Abiturient des ESGs präsentiert. Mit den Dankes- und Abschiedsworten Herrn Kilians, Sprecher des Fachbereichs Sozialkunde am ESG, bekamen Kandidaten und Moderatoren dunkle Schokolade und Blutorangensaft als neue Energiequelle geschenkt.